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Definition[edit]

Unter Ritual versteht man bestimmte Verhaltensweisen (Riten), die bei bestimmten Anlässen immer wieder und gleich auftreten. Es sind nach festen Regeln durchgeführte Handlungen mit hohem Symbolgehalt und können religöser oder weltlicher Art sein. Eine festgelegte, zeremonielle Ordnung von Ritualen oder rituellen Handlungen bezeichnet man als Ritus.

Rituale sind ein allgemeines Phänomen der Interaktion mit der Umwelt. Sie finden sowohl auf der Ebene des individuellen Verhaltens als auch im sozialen Miteinander statt und sind in der Regel kulturell eingebunden oder bedingt.


Warum gibt es Rituale? - Funktionen von Ritualen[edit]

Rituale bedienen sich strukturierter Mittel, um die Bedeutung einer Handlung sichtbar oder nachvollziehbar zu machen oder über deren profane Alltagsbedeutung hinaus weisende Bedeutungs- oder Sinnzusammenhänge symbolisch darzustellen oder auf sie zu verweisen.

Indem Rituale auf vorgefertigte Handlungsabläufe und bekannte Symbole zurückgreifen, vereinfachen sie die Bewältigung komplexer lebensweltlicher Aufgaben und vermitteln Orientierung, sie erleichtern die Kommunikation, den Umgang mit der Welt und das Treffen von Entscheidungen.

Rituale dienen insbesondere auch der Rhythmisierung zeitlicher und sozialer Abläufe. So gibt es

  • zyklische Rituale, die dem tageszeitlichen, wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen Kalender folgen (z. B. das Weckritual, die Sonnenwendfeier)
  • lebenszyklische Rituale, z. B. Initiationsrituale (bei Geburt, Mannbarkeit usw.)
  • ereignisbezogene Rituale, die z. B. bei bestimmten Krisen (Tod) Anwendung finden
  • Interaktionsrituale, die im Rahmen bestimmter Interaktionsmuster zum Tragen kommen, wie z. B. das Grußritual, Rituale des Körperabstandes oder das Ritual des Rauchens.

Rituale ermöglichen darüber hinaus die symbolische Auseinandersetzung mit Grundfragen der menschlichen Existenz, etwa dem Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Beziehung, dem Streben nach Sicherheit und Ordnung, dem Wissen um die eigene Sterblichkeit oder dem Glauben an eine transzendente Wirklichkeit (z. B. durch Freundschaftsrituale, Staatsrituale, Begräbnisrituale, Grabbeigaben). Derartige Rituale sind daher Ausdruck der Conditio humana, des menschlichen Selbstbewusstseins.

Rituale, die nur von "Eingeweihten" verstanden oder praktiziert werden können, können auch der Ausgrenzung oder Beherrschung "Unwissender" dienen. Von derlei elitären oder geheimnisvollen Ritualen besonders stark geprägt sind magische Riten und Kulte oder Geheimlehren.


Religiöse Rituale[edit]

Religiöse Rituale fördern den Zusammenhalt religiöser Gruppen. Alle in einer Religionsgemeinschaft üblichen oder geregelten Praktiken oder Rituale, die der religiösen Lebensführung oder dem Kult dienen (Gottesdienste, liturgische und kultische Handlungen aller Art, die Feier religiöser Feste, Anbetungsgesten und Verehrungspraktiken, die Rezitation von Gebeten oder Mantras, religiöse Tänze und Gesänge, Orakelbefragungen, Beschwörungen, magische Rituale, Heilungsrituale, rituelle Waschungen von Menschen oder Gegenständen, der Vollzug der Beschneidung, der Taufe oder sakramentaler Handlungen, Opfer-, Reinigungs-, Segnungs- oder Weihehandlungen u.v.m.). Sie können gemeinschaftlich (in Familie, Dorfgemeinschaft, Gottesdienstgemeinde etc.) oder auch vom Einzelnen allein praktiziert werden. Häufig sind besonders qualifizierte Vorsteher, Amtsträger, Priester, Schamanen, Heiler oder Kultdiener mit der Ausführung oder Leitung dieser Handlungen oder Zeremonien betraut.


Rituale in der Soziologie[edit]

Soziologisch lassen sich Rituale in allen Gesellschaften beobachten. Beispielsweise ermöglichen Macht-, Unterwerfungs- oder Kampfrituale die Klärung oder Festigung sozialer Rangordnungen und vermeiden gleichzeitig verlustreiche physische Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe (vgl. Ritualisierung im Tierreich). Rituale sind einem ständigen Wandel unterworfen. Sie erneuern sich und treten in veränderter Gestalt in die gewandelte gesellschaftliche Wirklichkeit. So lassen sich etwa moderne soziale Rituale in gesellschaftlichen Kontexten wie dem Sport, dem Personenkult, der Jugendkultur und der Werbung erkennen.

(vgl. DeWikipedia:Ritual)


Ritualismus[edit]

Wenn sich die Wirkungen von Ritualen ins Negative verkehren, sie als abgegriffen, überholt, sinnentleert oder kontraproduktiv empfunden werden, spricht man von Ritualismus. Ritualismus meint eine Haltung, in der die Ziele einer Gesellschaft/ einer Kultur verneint werden oder gleichgültig sind, die Mittel und Wege aber wahrgenommen und praktiziert werden (z.B. Gang zur Kirche ohne Glaubensbedürfnis). (vgl: http://www.socioweb.de/)


Beispiele[edit]

  • Der Wahlkampf als Ritual. Zur Inszenierung der Demokratie in der Multioptionsgesellschaft. Andreas Dörner / Ludgera Vogt

"...Gute Politik, so die Botschaft der Geschichte, ist ohne ordentliche Wahlen nicht möglich. Für den politischen Akteur - so eine weitere Parallele - bedeuten Wahlkämpfe "rites de passage", Übergangsrituale, die aus "Privatmenschen" Politiker formen. Und auch für die Bürger ist der Wahlkampf ein Ritual, das ihnen die Funktionsfähigkeit ihres politischen Systems sowie ihre eigene Rolle als Evaluator des politischen Prozesses anschaulich vorführt. Diese symbolische Dimension des Wahlkampfes als konstitutives Ritual repräsentativer Demokratien wird in den Diskussionen über Sinn und Zweck heutiger Kampagnen oft übersehen..." (vgl. [1])



english[edit]

A ritual is a set of actions, performed mainly for their symbolic value, which is prescribed by a religion or by the traditions of a community.
A ritual may be performed at regular intervals, or on specific occasions, or at the discretion of individuals or communities. It may be performed by a single individual, by a group, or by the entire community; in arbitrary places, or in places especially reserved for it; either in public, in private, or before specific people. A ritual may be restricted to a certain subset of the community, and may enable or underscore the passage between religious or social states.

The purposes of rituals are varied; they include compliance with religious obligations or ideals, satisfaction of spiritual or emotional needs of the practitioners, strengthening of social bonds, demonstration of respect or submission, stating one's affiliation, obtaining social acceptance or approval for some event — or, sometimes, just for the pleasure of the ritual itself.

Rituals of various kinds are a feature of almost all known human societies, past or present. Many activities that are ostensibly performed for concrete purposes, such as jury trials, execution of criminals, and scientific symposia, are loaded with purely symbolic actions prescribed by regulations or tradition, and thus partly ritual in nature. Even trivial actions like hand-shaking and saying hello are rituals.
In any case, an essential feature of a ritual is that the actions and their symbolism are not arbitrarily chosen by the performers, nor dictated by logic or necessity, but are, at least in part, prescribed and imposed upon the performers by some external source. (see Wikipedia:Ritual)

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